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Forschung: Sich selbst heilende Kontaktlinsen

Ein UV-Bad repariert Kratzer im Hydrogel

Ein Kratzer auf der Kontaktlinse bedeutete bisher fast immer: neu kaufen. Ein Team um Jung-Hyun Choi und Byoung-Ki Cho von der Dankook University in Südkorea hat nun ein Material entwickelt, das das ändern könnte. Der Trick steckt in einem speziellen Molekül, das die Forscher in das Hydrogel eingebaut haben – jenes wasserreiche Polymernetzwerk, aus dem die meisten weichen Kontaktlinsen bestehen. Dieses Molekül bildet sogenannte Disulfidbrücken: chemische Bindungen, die sich, anders als die sonst üblichen starren Verknüpfungen im Kunststoff, unter UV-Licht lösen und neu zusammenfügen können. Bestrahlt man einen Kratzer mit UV-Licht, wandern die losen Enden aufeinander zu und verschweißen die beschädigte Stelle von selbst.

Im Labor stellte das UV-Licht dabei rund 92 Prozent der ursprünglichen Materialstärke wieder her – ein Ergebnis, für das eine frühere Version des Materials noch vier Stunden Wärmebehandlung brauchte. Wärme kam für Kontaktlinsen aber ohnehin kaum infrage, weil sie die empfindliche, feuchte Linse austrocknet. Das UV-Verfahren funktioniert dagegen bei Raumtemperatur. Zusätzlich überzogen die Forscher die Linsenoberfläche mit einer Beschichtung aus einem weiteren Molekül, das Eiweißablagerungen abweist – jene Rückstände aus der Tränenflüssigkeit, die Linsen normalerweise eintrüben. Diese Beschichtung machte die Linsen zugleich deutlich kratzfester: Selbst feines Schleifpapier hinterließ kaum Spuren, die Durchsichtigkeit sank dabei nur um etwa 2 Prozent.

Wichtig für die Einordnung: Getestet wurde bislang nur Material im Labor, nicht am echten Auge. Die Kratzer wurden kontrolliert mit Rasierklingen und Schleifpapier erzeugt, nicht durch die unberechenbare Beanspruchung im Alltag. Auch wie sich das Material über Monate oder nach vielen Heilungszyklen verhält, ist noch offen. Bis zur Marktreife stehen also noch Stabilitätstests und ein Zulassungsverfahren an. Geht es nach den Forschern, könnte das Verfahren dann sogar mit haushaltsüblichen UV-Lampen funktionieren, etwa solchen, die zum Aushärten von Gel-Nagellack verwendet werden.

Quelle:
Choi, J.-H., Cho, B.-K.: „Room-Temperature UV-Induced Self-Healing Hydrogels with Antifouling and Antiscratch Surfaces for Soft Contact Lenses“, ACS Applied Polymer Materials 2026, 8, 10, 7076–7088, DOI: 10.1021/acsapm.5c04803.

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