Wenn die Welt plötzlich Wellen schlägt

Diabetes mellitus: Weltweit sind etwa 382 Millionen Menschen betroffen. Diese Zahl wird sich in den nächsten Jahren drastisch erhöhen: Experten erwarten, dass bis zum Jahr 2035 etwa 592 Millionen Menschen mit der sogenannten „Zuckerkrankheit“ leben müssen. 

Diese Grafik zeigt den Vormarsch der Diabetes weltweit.

Alleine in Deutschland gibt es über 6 Millionen Menschen mit Diabetes – Tendenz aufgrund der demografischen Entwicklung steigend. Viele denken bei Folgeerkrankungen von Diabetes oft zunächst an ein gesteigertes Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall. Weniger bekannt ist hingegen, dass die Volkskrankheit auch wortwörtlich ins Auge gehen kann.

Häufigste Erblindungsursache im Westen

Die diabetische Schädigung der kleinen Netzhautgefäße ist heute in der westlichen Welt die häufigste Ursache für eine Sehbehinderung bei vergleichsweise jungen Menschen, d. h. Personen unter 65 Jahren. Das wichtigste diabetische Gefäßleiden mit Beteiligung der Netzhaut ist die diabetische Retinopathie.

Prof. Focke Ziemsen
Foto: Universitäts-Augenklinik München (Bild)

„Im Laufe der Zeit kann sich als Folge einer diabetischen Retinopathie ein diabetisches Makulaödem (DMÖ) entwickeln. Dabei kommt es zu krankhaften Einlagerungen von Flüssigkeit an der Stelle des schärfsten Sehens im hinteren Auge“, erläutert Prof. Dr. Focke Ziemssen, Facharzt für Augenheilkunde aus Tübingen. „Die Makula ermöglicht das zentrale Sehen, wie das Erkennen von Gesichtern oder das Lesen. Eine frühe Diagnose und Therapie ist wichtig, um eine bleibende Sehverschlechterung zu verhindern.“ Deshalb sollten Menschen mit Diabetes regelmäßige Kontrollen beim Augenarzt durchführen lassen. Zudem sollten die Blutzuckerwerte und der Blutdruck optimal eingestellt und kontrolliert werden. Ein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen Ernährung und ausreichend Bewegung ist darüber hinaus wichtig. Auf Nikotin sollte auch verzichtet werden.

Nur knapp die Häfte der Diabetiker kennen das Diabetische Makulaödem
56%

Vorsorguntersuchungen sind entscheidend

Es gibt verschiedene Symptome, die auf ein DMÖ hinweisen können: Konturen verschwimmen, Farben verblassen, Kontraste verflachen, die zentrale Sehschärfe lässt nach oder im Sichtfeld treten Flecken auf. Die gute Nachricht: Ein DMÖ kann medikamentös behandelt werden. Die Therapie erfolgt mit einer Substanz, die den sogenannten Wachstumsfaktor VEGF im Auge hemmt. Damit kann das unerwünschte Gefäßwachstum aufgehalten werden. Das Medikament wird mit einer kleinen Spritze direkt in das Auge gespritzt – ein ambulanter Routineeingriff, der in der Regel völlig schmerzfrei abläuft.

Eine Befragung von Menschen mit Diabetes durch das renommierte Meinungsforschungsinstitut Kantar EMNID zeigt einerseits, dass der Erhalt der Sehkraft für die Betroffenen sehr wichtig ist und Sehen für 85% ein wichtiges Gut darstellt. Andererseits kennen nur 56% der Menschen mit Diabetes das diabetische Makulaödem als schwerwiegende Folgeerkrankung des Diabetes am Auge.

Trotz Überweisung gehen
11 %
nicht zum Augenarzt

Wie die Umfrage außerdem zeigt, werden zwar drei Viertel der Befragten mit Diabetes zum Augenarzt überwiesen, jedoch gehen 11% aus Angst vor der Diagnose trotz einer Überweisung nicht zum Augenarzt. Wie wichtig die Vorsorge ist, betont auch Professor Dr. med. Rüdiger Landgraf, Diabetologe aus München: „Ich kann alle Menschen mit Diabetes nur motivieren, sich möglichst frühzeitig mit dem Thema Augenerkrankungen auseinander zu setzen und Kontrollbesuche beim Augenarzt regelmäßig wahr zu nehmen.“

„Die Herausforderung besteht darin, dass Menschen mit Diabetes sich oft in falscher Sicherheit wähnen“, so Prof. Ziemssen. „Auch ohne Beschwerden bleibt aber die regelmäßige Kontrolle im Verlauf besonders wichtig.“ In der Vergangenheit fehlten häufig auch patientenverständliche und anschauliche Informationen. Das wiederum führt dazu, dass Menschen mit Diabetes nur unzureichend über die Erkrankung aufgeklärt werden. Verbesserte und auf die Zielgruppe abgestimmte Informationsmaterialien, die beispielsweise nutzerfreundliche Webseiten, YouTube-Videos und Facebook-Seiten umfassen, können dem entgegensteuern.

www.das-diabetische-auge.de

Eine Aufklärungsinitiative von Bayer, dem Zentrum für berufliche Bildung blinder und sehbehinderter Menschen (BFW Düren) und der Initiativgruppe „Früherkennung diabetischer Augenerkrankungen“ (IFDA) sowie der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Auge (AGDA) setzt hier an. Gerade nach der Diagnose haben Patienten und ihre Angehörigen viele Fragen wie „Was ist ein DMÖ?“, „Wie wird ein DMÖ behandelt?“ und „Wie kann ich mit möglichen Seheinschränkungen im Alltag umgehen?“. Antworten auf diese und weitere Fragen finden sie auf der Webseite www.das-diabetische-auge.de

Die Internetseite beinhaltet umfassende Informationen zur Vorbeugung, Früherkennung, Diagnose und Behandlung des DMÖ sowie zahlreiche wertvolle Hilfestellungen zum besseren Umgang mit möglichen Sehbeeinträchtigungen im Alltag und Beruf. Außerdem finden Patienten eine Reihe von persönlichen Videos, die aufklären und motivieren, sich mit der Erkrankung und ihren Folgen zu beschäftigen – von regelmäßigen Augenarztbesuchen bis hin zu Beratung zu Hilfsmitteln. Die umfangreiche Webseite wird ergänzt durch einen Facebook-Auftritt mit aktuellen Themen rund um das Sehen. Alle Betroffenen, Angehörigen und Interessenten können auf der Website www.das-diabetische-auge.de oder auf der Facebook-Seite mit diskutieren

Artikel-Quiz

Wie viele Menschen haben Diabetes weltweit?

382 Millionen

Wieviel leiden an dieser Krankheit in Deutschland?

6 Millionen

Für wieviel Prozent der Betroffenen stellt die Sehkraft ein hohes Gut da?

85 %

Zusatzinfo: Deutsches Diabeteszentrum

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