Was lesen blinde und sehbehinderte Kinder, die jetzt das Haus nicht verlassen dürfen?

Berlin. „Mama, mir ist langweilig!“ Was lesen Kinder mit Seheinschränkungen, die wegen der Corona-Pandemie das Haus nicht verlassen dürfen? Leider müssen sie froh sein, wenn sie überhaupt ein Buch in die Finger bekommen, denn es gibt kaum geeignete Lektüre für die circa 10.000 blinden und sehbehinderten Vorschulkinder in Deutschland. Gerade in Corona-Zeiten, in denen Eltern nach Beschäftigung für den Nachwuchs suchen, wird die Büchernot für blinde und sehbehinderte Kinder besonders deutlich.

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Während sehende Kinder ein Auto, ein Schaf oder die Sonne in einem Bilderbuch sehen können, müssen diese Dinge und der dazugehörige Text für blinde und sehbehinderte Kinder tastbar dargestellt werden. „Kinder, die wenig oder gar nichts sehen, möchten die Welt mit ihren Fingerspitzen entdecken“, erläutert der Geschäftsführer des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes, Andreas Bethke. „Bedauerlicherweise gibt es für sie aber kaum geeignete Tastbücher. Dadurch verpassen sie nicht nur das ganze Universum der wunderbaren Bilderbuch-Geschichten, sondern leider auch den frühen Einstieg in das Lesen.“

Der DBSV entwickelt deshalb zusammen mit Kindern, Eltern und Fachleuten spezielle Bücher, deren Geschichten nicht nur berührend, sondern auch zum Berühren sind. Die Bilder sind aus möglichst originalgetreuen Materialien zusammengesetzt, für den Text werden Großdruck und Blindenschrift verwendet. Seit dem Jahr 2013 hat der Verband sieben dieser Tastbücher in Kleinauflagen zwischen 100 und 200 Exemplaren herausgebracht – und deckt damit nicht annähernd den Bedarf.

Der DBSV macht deshalb mit seiner Spendenaktion auf die Büchernot für blinde und sehbehinderte Kinder in Deutschland aufmerksam. Nur wenn es dem Verband gelingt, neue Unterstützer zu gewinnen, wird er auch in Zukunft noch Tastbücher anbieten können. Wer spenden möchte, findet alle nötigen Informationen unter:

www.tastbuecher.de

Dort ist auch der kurze, liebevoll animierte Film „Berührende Geschichten“ zu sehen, in dem gezeigt wird, wie Kinderhände die Welt der Bücher entdecken. Der Film ist zusätzlich mit Filmbeschreibung für sehbehinderte und blinde Menschen und mit Untertiteln verfügbar (https://tinyurl.com/tastbuch-film).

Spendenkonto

Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V.
IBAN DE55 1002 0500 0003 2733 05
Bank für Sozialwirtschaft
BIC: BFSW DE 33 BER
Stichwort „Tastbuch“

Hintergrund

Während auf dem deutschen Markt jährlich rund 9.000 neue Kinder- und Jugendbücher erscheinen, gibt es für blinde und sehbehinderte Kinder nur eine sehr kleine Auswahl an Tastbüchern, die zudem regelmäßig vergriffen sind. Bundesweit erscheinen jährlich nur drei bis vier neue Tastbücher mit einer Auflage von jeweils rund 200 Exemplaren.

Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e.V. (DBSV)

Der DBSV ist der bundesweite Zusammenschluss der Blinden- und Sehbehindertenselbsthilfe. Mit seinen 19 Landesverbänden und 35 weiteren Mitgliedsorganisationen unterstützt er Menschen, die sehbehindert, blind oder taubblind sind oder deren Erkrankung zum Sehverlust führen kann. Ziel des DBSV ist es, die Lebenssituation der Augenpatientinnen und -patienten sowie der blinden und sehbehinderten Menschen nachhaltig zu verbessern. Um dies zu erreichen, führt der DBSV als gemeinnützige Selbsthilfeorganisation zahlreiche Projekte durch und bietet Betroffenen Austausch, Rat und Hilfe an.

Der Film „Berührende Geschichten“ sowie die Internetseite www.tastbuecher.de wurden von der SKala-Initiative im Rahmen des DBSV-Projektes „Ein Buch für jeden Tag“ gefördert. SKala ist eine Initiative der Unternehmerin Susanne Klatten in Partnerschaft mit dem gemeinnützigen Analyse- und Beratungshaus PHINEO. SKala fördert etwa 100 gemeinnützige Organisationen mit insgesamt bis zu 100 Millionen Euro in den Bereichen Inklusion und Teilhabe, Engagement und Kompetenzförderung, Brücke zwischen den Generationen sowie Vergessene Krisen. Unterstützt werden ausschließlich Organisationen, die gegenüber PHINEO eine große soziale Wirkung nachgewiesen haben.

Bild: DBSV