Von der Lupe bis zum Laser-Blindenstock

Morgen würden wie in jedem Jahr die Tore der SightCity, der größten internationalen Fachmesse für Low Vision-Trends, in Frankfurt am Main öffnen. Der einzigartige dreitägige Magnet für Hilfsmittelausstellerinnen und -hersteller, sehbehinderte und blinde Menschen sowie ihre Familien aus der ganzen Welt musste jedoch aufgrund der Corona-Pandemie für 2020 abgesagt werden. Die Gesundheit der Ausstellenden sowie Besucherinnen und Besucher hat Vorrang.

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Menschen mit Netzhauterkrankungen müssen sich dennoch aktuell und breit über Hilfsmittelneuheiten, zu Rahmenbedingungen der Hilfsmittelversorgung und -finanzierung sowie zu barrierefreien Gestaltungstrends in privaten und öffentlichen Räumen informieren können. Rasante Entwicklungen vor allem bei den elektronischen und digitalen Unterstützungsmöglichkeiten revolutionieren derzeit regelrecht die Landschaft der Hilfsprodukte für Alltag, Beruf, Freizeit und Mobilität von Menschen mit Sehbehinderung.

Bahnbrechend sind beispielsweise intelligente Brillen, die Gegenstände erkennen und über eine Sprachausgabe benennen. Der weiße Langstock, ein Standardhilfsmittel für blinde Menschen zur Orientierung, wird mit Ultraschall- oder Laserausstattung zum Hindernismelder. Mit blindenfreundlicher Bedienung ausgestattet werden auch GPS-Navigationssysteme interessant als Orientierungshilfe.

Bleiben Menschen mit fortschreitender Sehbeeinträchtigung, wie sie bei Netzhauterkrankungen typisch ist, in der Hilfsmittelentwicklung auf dem Laufenden, können sie zuversichtlicher, gelassener und sicherer die Herausforderungen in ihrem Leben ins Visier nehmen.

Drei aktuelle Publikationen für mehr Lebensqualität und Selbstbestimmung

PRO RETINA Deutschland hat dafür ein ganzes Paket an barrierefreien Publikationen im DIN A4-Format zum Thema „Hilfsmittel“ geschnürt. Die drei druckfrischen Publikationen dieses Jahres können bei der Selbsthilfevereinigung im Druckformat kostenlos bestellt werden, für Mitglieder liegen sie auch im barrierefreien Online-Format vor.

Hilfsmittel bei Sehbehinderung – Der große Überblick

Einen guten unabhängigen Gesamtüberblick über Seh- und Alltagshilfen verschafft die gerade wieder aufgelegte und aktualisierte Broschüre „Hilfsmittel für Menschen mit Seheinschränkung“ (Infoserie Nr. 25).

Der selbst betroffene Autor Dr. Konrad Gerull gibt Antworten zu drei Fragen, die sich Menschen in verschiedenen Stadien der chronischen Augenerkrankung stellen sollten:

  1. Was hilft dabei, die Wohnung und Umgebung gut zu beleuchten sowie kontrastreich, sicher und bequem zu gestalten?
  2. Welche optischen Hilfsmittel können das in die Augen fallende Licht verbessern, also mit Größe, Helligkeit und Kontrast positiv wirken? Herkömmliche Lupen zum Beispiel können bis zu zehnfach vergrößern und besonders in den Anfangsstadien einer Sehbehinderung gute Dienste leisten. Mobile elektronische Lupen schaffen heute eine bis zu 60-fache Vergrößerung und sind selbst bei einer fortgeschrittenen Seheinschränkung einsetzbar. Die ausgeklügelten Lichtfilterfunktionen von Kantenfilterbrillen können das verbliebene Sehvermögen stärken und unterstützen. Gute Dienste im Alltag leisten auch Unterschriftsschablonen oder Diktiergeräte.
  3. Welche Möglichkeiten für Beruf, Alltag, Freizeit und Mobilität bieten elektronische und digitale Sehhilfen, die Umwelt auf ganz neue Weise wahrnehmen, analysieren, wiedergeben und interpretieren können? Rasant wächst gerade dieser Markt an Seh-und Alltagshilfen.

Fest steht: Für die Entwicklung von Hilfsmitteln für sehbehinderte Menschen am bedeutsamsten ist die zunehmende Vereinfachung der Schnittstelle zwischen Mensch und Computer. Farben, Schrift und Kontraste können benutzergerecht voreingestellt werden, oft sind Bildschirmlupe und/oder Sprachausgabe integriert. Die Bedienung ­ zu Hause und unterwegs ­ wird immer einfacher.

Die neuen digitalen Trends

Wer die neue Vielfalt der Möglichkeiten von PC/Mac, Laptop, Tablet und Smartphone oder auch digital gestützten Haushaltsgeräten kennenlernen möchte, wird in der neuen 68-seitigen Publikation „Smartphone, Computer & Moderne Medien für Menschen mit Seheinschränkung“ (PRO RETINA Infoserie Nr.8) fündig.

Die Autoren Thomas Schwerhoff und Alexander Schiermeier, selbst von Netzhauterkrankungen betroffen, widmen sich ausführlich den Fragen der Wahl des passenden Betriebssystems und Bildschirms oder der Tastatur sowie von hilfreichen Programmen/Apps. Sie geben Hinweise zum Kauf neuer Haushaltsgeräte mit taktilen oder akustischen Markierungen und sprechenden Etiketten, die für Menschen mit Sehbehinderung zur Verbesserung der Bedienfreundlichkeit führen.

Der richtige Umgang mit Kontrasten

Die Publikation „Barrierefrei – und jeder weiß, wo es langgeht“ (PRO RETINA Infoserie Nr. 6) ist eine Handreichung zu visuellen Kontrasten im öffentlichen Raum, die mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit vom Arbeitskreis Mobilität initiiert und umgesetzt wurde.

Kontraste können nicht nur Menschen mit Seheinschränkung helfen, Hindernisse rechtzeitig zu erkennen, aber ihnen besonders. Dennoch ist der richtige Umgang mit Kontrasten kaum in der Öffentlichkeit bekannt. Gerade die Häufigkeit an Treppenunfällen zeigt aber, dass auch normal sehende Menschen hier Vorteile haben können, wenn beispielsweise Stufen und Absätze kontrastreich markiert sind. Die Broschüre führt auf wissenschaftlicher Basis in das Wissen ein und zeigt die Unterschiede anhand von praktischen Beispielen auf. Für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren der Selbsthilfe bietet sie Unterstützung, um zum Thema mit Verantwortlichen in Städten und Gemeinden ins Gespräch zu kommen. Aufgrund der Brisanz ist diese Informationsschrift nun zum vierten Mal in aktualisierter Form aufgelegt worden.

Deutlich machen möchte PRO RETINA Deutschland mit diesen drei aktuellen Publikationen, dass die moderne Vielfalt an Hilfsmitteln und Unterstützungsmöglichkeiten selbst Menschen mit hochgradiger Sehbehinderung ein Leben in weitgehender Selbstständigkeit und Unabhängigkeit sowie mit neuer Lebensqualität ermöglicht: Wenn sie davon erfahren und das Wissen für sich nutzen können. Alle drei Publikationen wurden finanziell unterstützt von NOVARTIS. Über diese Publikationen hinaus beraten ehrenamtliche Fachberaterinnen und Fachberater mit viel persönlicher Erfahrung zu speziellen Produkten oder zur Hilfsmittelbeschaffung und -finanzierung. Zu sozialrechtlichen Fragen gibt der PRO RETINA Arbeitskreis Soziales Auskunft. 

Hier Broschüren kostenlos bestellen

“Hilfsmittel für Menschen mit Seheinschränkung”
(PRO RETINA Infoserie Nr. 25), Autor: Dr. Konrad Gerull, 84 Seiten, Mai 2020, Bonn

“Barrierefrei – und jeder weiß, wo es lang geht!”
Eine Handreichung zu visuellen Kontrasten (PRO RETINA Infoserie Nr. 6) Autorin: Anuschka Hesse-Germann (Projektleitung), 64 Seiten, 4. Nachauflage, Dezember 2019, Bonn barrierefreier Download: https://www.pro-retina.de/beratung/mobilitaet/literatur

“Smartphone, Computer & Moderne Medien” für Menschen mit Seheinschränkung
(PRO RETINA Infoserie Nr. 8) Autoren: Thomas Schwerhoff und Alexander Schiermeier, 68 Seiten, Januar 2020, Bonn

Über PRO RETINA Deutschland e. V.

PRO RETINA ist in Deutschland die älteste und renommierteste Selbsthilfevereinigung für Menschen mit Netzhauterkrankungen, die entweder vererbt oder im Laufe des Lebens erworben wurden. Mit über 6.000 Mitgliedern hat die Patientenorganisation in mehr als 40 Jahren ein einzigartiges bundesweites Kompetenznetzwerk zu allen Fragen der Krankheitsbewältigung etabliert. Sie ist Partnerin für Medizin, Rehabilitation und Forschung. Sie bietet fachliche und soziale Kontakte und regionalen Austausch in über 60 Regionen Deutschlands.