Perspektiven der Therapie mit Aflibercept

Augenerkrankungen, wie die neovaskuläre altersabhängige Makuladegeneration (nAMD), haben einen großen Einfluss auf die Lebensqualität der Patienten. (1) Die fortschreitende Verschlechterung des zentralen Sehvermögens durch eine AMD und die damit verbundenen negativen Auswirkungen auf die Lebensqualität sind vergleichbar mit schweren systemischen Erkrankungen wie ischämischen Herzerkrankungen, Krebs und Schlaganfall. Mit Aflibercept (Eylea®) steht ein effektiver Inhibitor des Vascular Endothelial Growth Factors (VEGF) zur Therapie der nAMD zur Verfügung. Der Visuserhalt bzw. -gewinn steht für die Patienten dabei im Vordergrund. Aflibercept kann die visusbezogene Lebensqualität der Patienten verbessern (1)* und eignet sich gut für ein individualisiertes, proaktives Treat & Extend (T&E)-Konzept. So zeigen die Daten der ALTAIR-Studie, dass bis zum Ende des zweiten Studienjahres bei fast 60% der Patienten das Injektionsintervall auf drei Monate oder mehr verlängert werden konnte – und das mit guten Visusgewinnen (2). Bei vielen Patienten war sogar eine Verlängerung des Injektionsintervalls auf bis zu vier Monate möglich.

Bayer will die Therapieoptionen für Patienten und Ärzte weiter verbessern. Unter anderem plant das Unternehmen in Zusammenarbeit mit dem Kooperationspartner Regeneron Pharmaceuticals Inc. zwei neue Studien, in denen eine neue Aflibercept-Formulierung mit 8 mg getestet werden soll. Ziel ist es, eine Behandlung zu entwickeln, die mindestens eine gleichwertige Effektivität und Sicherheit bei geringerer Behandlungsfrequenz ermöglicht. Des Weiteren hat das Unternehmen eine Änderungsanzeige bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zur Eylea-Injektionslösung in einer Fertigspritze eingereicht und möchte diese in Kürze verfügbar machen. Die nach den neuesten technischen Standards entwickelte Fertigspritze spart zukünftig einen Arbeitsschritt vor der Applikation.

Um die Forschung im Bereich der Augenheilkunde weiter voranzutreiben, setzt sich Bayer zudem mit dem Deutschen Förderprogramm für Augenheilkunde für klinische und wissenschaftliche Forschungsprojekte und die Unterstützung von Nachwuchswissenschaftlern ein. Einmal im Jahr wird eine Fördersumme von 50.000 Euro vergeben. Auch in diesem Jahr haben engagierte Forscher wieder die Möglichkeit, sich für das Förderprogramm 2021 zu bewerben.

Behandlungsintervalle bis zu vier Monate

Die Lebensqualität von nAMD-Patienten ist mitunter sehr eingeschränkt. Vor diesem Hintergrund sollte der Behandlungsfokus nach der Aufsättigungsphase der Behandlung auf dem Visusgewinn bzw. -erhalt für die Patienten liegen statt ausschließlich auf einer vollständigen Trocknung der Netzhaut. Aflibercept eignet sich gut für die Therapie der nAMD und kann die visusbezogene Lebensqualität der Patienten verbessern. (1),*

Es gibt Hinweise, dass manche Flüssigkeitsansammlungen nach der Aufsättigungsphase toleriert werden können, ohne die visuellen Ergebnisse zu beeinträchtigen. Zu unterscheiden ist dabei vor allem zwischen der intraretinalen Flüssigkeit (IRF) und der subretinalen Flüssigkeit (SRF). Bereits die VIEW-Studien** legten nahe, dass eine komplette Reduktion der subretinalen Flüssigkeit bei der Behandlung der nAMD nicht unbedingt notwendig zu sein scheint: Unter Aflibercept kam es zu einem stärkeren Rückgang der SRF** im Vergleich zu Ranibizumab, dennoch war dies nicht mit Veränderungen hinsichtlich der Sehschärfe zum primären Endpunkt verbunden. IRF dagegen scheint typischerweise mit einer schlechteren Sehschärfe verbunden zu sein als SRF. Eine möglichst vollständige Beseitigung der IRF kann daher möglicherweise zu einem der Haupt-Behandlungsziele einer nAMD gehören.

Mit dem individualisierten, proaktiven T&E-Konzept ist es möglich, die Behandlungsintervalle zu verlängern und somit die Behandlungslast zu verringern. Außerdem ermöglicht das Behandlungskonzept eine hohe Planungssicherheit für Arzt, Patient und Angehörige und kann damit die Therapieadhärenz erhöhen. In der multizentrischen, randomisierten, offenen ALTAIR-Studie (3) wurden zwei verschiedene T&E Behandlungsregime bei therapienaiven nAMD-Patienten verglichen. In der Studie erhielten die Patienten zu Beginn der Behandlung drei aufeinanderfolgende monatliche Injektionen. Danach folgten alle zwei Monate weitere Injektionen, die schrittweise um zwei oder vier Wochen angepasst werden konnten – in Abhängigkeit von visuellen und/oder anatomischen, durch ein Protokoll definierten Kriterien. Dabei betrug das kürzeste Intervall acht Wochen, das maximale lag bei 16 Wochen.

Zum Ende des ersten Studienjahres waren die Visusgewinne zwischen den beiden Gruppen mit zwei- und vierwöchiger Anpassung vergleichbar und die Ergebnisse konnten auch im zweiten Behandlungsjahr weitestgehend aufrechterhalten werden (2). Rund 60% der Patienten erreichten bei Woche 96 ein Behandlungsintervall von drei Monaten oder mehr. „Zu Woche 96 konnten die Behandlungsintervalle bei 41,5% bzw. 46,3% der Patienten mit zweiwöchentlicher bzw. vierwöchentlicher Anpassung sogar auf vier Monate ausgeweitet werden“, erläutert Prof. Dr. Nicole Eter, Münster. Bis zu 96% der Patienten, bei denen im Studienverlauf das maximale Behandlungsintervall angewendet werden konnte, behielten dieses auch bis zum Studienende bei Woche 96. (4)

Dass längere Behandlungsintervalle die Lebensqualität der Patienten tatsächlich verbessern können, zeigt das Beispiel von Hannelore Märten. Sie ist nAMD-Patientin und seit Jahren in Behandlung: „Mir ist gutes Sehen besonders wichtig. Dank der regelmäßigen Injektionen konnte ich meine Sehkraft erhalten. Es freut mich, dass ich nicht mehr so viele Spritzen benötige, weil die Behandlungsintervalle jetzt länger sind. Das macht die Therapie deutlich leichter für mich.“

Neue Aflibercept-Formulierung geplant

Aflibercept ist nicht nur bei der nAMD, sondern auch bei weiteren Indikationen zugelassen. Mit der Injektionstherapie können eine Visusbeeinträchtigung aufgrund eines diabetischen Makulaödems (DMÖ), eine Visusbeeinträchtigung aufgrund eines Makulaödems infolge eines retinalen Astvenenverschlusses oder Zentralvenenschlusses sowie eine Visusbeeinträchtigung aufgrund einer myopen choroidalen Neovaskularisation behandelt werden. (3) Seit der Zulassung wurden mehr als 29 Millionen Ampullen abgesetzt, was über 4 Millionen Patientenjahren Erfahrung entspricht.

Um die Versorgung von Patienten in Zukunft weiter zu verbessern, kooperiert Bayer unter anderem mit Regeneron Pharmaceuticals, Inc. Vor Kurzem hat Bayer bekannt gegeben, dass zusammen mit Regeneron Pharmaceuticals zwei Phase III-Studien mit den Bezeichnungen PHOTON und PULSAR geplant sind. Sie untersuchen die Wirksamkeit und Sicherheit einer neuen 8 mg Aflibercept-Formulierung in Behandlungsschemata von 12 Wochen oder länger, verglichen mit 2 mg Aflibercept, in den Indikationen nAMD und DMÖ. „Mit der geplanten Formulierung möchten wir die Behandlungslast für noch mehr Patienten weiter verringern und injektionsbedingte Risiken reduzieren“, sagt Dr. Zoran Hasanbasic, Bayer Vital, Leverkusen.

Außerdem plant Bayer eine Eylea-Fertigspritze auf den Markt zu bringen, die voraussichtlich im ersten Halbjahr 2020 verfügbar sein wird. Der Antrag zur Änderungsanzeige ist bereits bei der EMA eingereicht. Die nach den neuesten technischen Standards entwickelte Fertigspritze spart zukünftig einen Arbeitsschritt vor der Applikation.

Neu ist auch eine Studie, die eine weitere Indikation für die Aflibercept-Therapie prüfen soll: die Frühgeborenenretinopathie (ROP), die eine Hauptursache für eine Erblindung im Kindesalter darstellt. In der FIREFLEYE-Studie wird die Wirksamkeit und Sicherheit von intravitrealem Aflibercept gegenüber der Laser-Photokoagulation untersucht. Ende 2021 erwarten die Studienautoren erste Ergebnisse.

Förderung von Forschungsprojekten aus der Augenheilkunde

Neben eigener Forschungsarbeit setzt sich Bayer für den wissenschaftlichen Nachwuchs ein. So findet das Deutsche Förderprogramm für Augenheilkunde, bei dem jährlich innovative Forschungsprojekte mit einer Summe in Höhe von 50.000 Euro gefördert werden, bereits zum fünften Mal statt. Das Förderprogramm richtet sich an Nachwuchswissenschaftler, die mit ihren Projekten translationale Ansätze, die die Behandlungsmöglichkeiten von Patienten mit Augenerkrankungen verbessern, vorantreiben möchten.

Im Jahr 2019 zeichnete Bayer die Nachwuchsforscherin Dr. Dominika Pohlmann von der Berliner Charité aus. Mit ihrem Projekt „Immunologische und morphologische Signaturen bei nicht-infektiöser Chorioretinitis zur Verbesserung von Therapie und Patientenbetreuung“ möchte sie Immunprofile der nicht-infektiösen Chorioretinitis identifizieren. Es sollen immunologische Biomarker zur Bestimmung der Krankheitsaktivität und der -progression mittels eines innovativen Verfahrens der Massenzytometrie ermittelt werden. In diesem Jahr ging die Fördersumme an Dr. Dierk Wittig von der Universitäts-Augenklinik Dresden, der in seiner Arbeit ein Großtiermodell für die Transplantation von humanen Photorezeptoren (hPR) aufbaut. Mit diesem Modell soll ein zellbasierter Therapieansatz für degenerative Netzhauterkrankungen, wie der AMD, untersucht werden, um in der weiteren Entwicklung präklinische Testungen zu ermöglichen.

Noch bis zum 30. Juni 2020 können sich Forscher für das Förderprogramm bewerben. „Wir freuen uns, auch 2021 Projekte im Rahmen des Förderprogramms zu unterstützen“, sagt Prof. Dr. Martin Spitzer, Hamburg. Gesucht werden in Deutschland tätige Kliniker und Grundlagenforscher, insbesondere Nachwuchstalente, die innovative Konzepte und Projektideen in der Augenheilkunde mit Schwerpunkt retinaler Erkrankungen verfolgen. Außerdem sollte der Bewerber über eine ausgewiesene Expertise auf dem Gebiet der Augenheilkunde verfügen oder diese Expertise aufbauen wollen. Weitere Informationen und Details zur Bewerbung sind unter www.foerderprogramm-augenheilkunde.de/ erhältlich.

(1) Yuzawa M et al. Ophthalmology2015; 122 (3): 571–578.,
(2) Ohji, M. et al. Efficacy and Safety of Intravitreal Aflibercept Treat-and-Extend Regimens in Exudative Age-Related Macular Degeneration: 52- and 96-Week Findings from ALTAIR. Advances in Therapy. 2020; 37:1173–1187
(3) Fachinformation Eylea®, Mai 2019
(4) Ohji M et al. Presentation at the 18th European Society of Retina Specialists (EURETINA) Congress; Vienna, Austria, September 20–23, 2018.

  • Sekundärer Endpunkt der VIEW-Studie
    ** Im ersten Jahr protokollbedingt monatliche Injektion von Ranibizumab. EU-Zulassung abweichend: Bis Erreichen des maximalen Visus und/ oder keine Anzeichen von Krankheitsaktivität mehr zu erkennen, sind monatliche Injektionen, anschließend sollten die Kontroll- und Behandlungsintervalle auf Basis der Krankheitsaktivität vom Arzt festgelegt werden. Im zweiten Jahr protokollbedingt abweichendes Behandlungsschema von Aflibercept: EU-Zulassung: Zweimonatiges Behandlungsschema oder Treat & Extend basierend auf dem funktionellen und/ oder morphologischen Befund; VIEW-Studien: Im zweiten Jahr Injektionen mindestens alle drei Monate bei monatlichen Kontrollen.