Nachruf auf Professor Dr. Holger Busse

Von Prof. Dr. em. Gisbert Richard.

Am 29. August 2020 verschied plötzlich und völlig überraschend Herr Professor Dr. Holger Busse, langjähriger Direktor der Universitäts Augenklinik Münster. Sein plötzlicher Tod hat viele bestürzt und überrascht, ja fassungslos zurück gelassen, dieses vor allem aufgrund seiner so überaus lebhaften, gewinnenden und freundschaftsfördernden Persönlichkeit. Ich habe ihn als Oberarzt kennengelernt, später war er ein enger Freund, mit dem mich viele gemeinsame Erlebnisse und Reisen im Familienkreise verbunden haben.

 Stichworte zum Curriculum Vitae:

Holger Busse wurde am 1. April 1945 als Sohn des Chirurgen  Prof. Dr med. Ernst und von Ilse Busse in Jena geboren. Kurz vor dem Mauerbau gelang es der Familie, nach Westdeutschland überzusiedeln. In Nordhorn legte er 1964 die Reifeprüfung ab, um anschließend in Mainz und Münster Medizin zu studieren. Er schwankte zwischen der Möglichkeit, sich der Hals-Nasen-Ohren Heilkunde oder der Augenheilkunde zuzuwenden und entschied sich für die Ophthalmologie.

 

Sein Wissenschaftliches Werk

Wissenschaftlich befasste er sich unter Fritz Hollwich an der Universitäts Augenklinik Münster mit einem Habilitationsthema, das beide Bereiche betraf, nämlich der  „Konservativen und Operativen Behandlung der Tränenwegsstenosen“. Er war einer der wenigen  Lehrstuhlinhaber, die das gesamte Fachgebiet klinisch beherrschten und sah sich als Generalist der Augenheilkunde. So hat er nach einem Besuch bei Robert Machemer als einer der ersten in Deutschland ein Pars Plan Vitrektomie durchgeführt. Dennoch  galt seine besondere Liebe  stets der okuloplastischen Chirurgie und der Tränenwegschirugie.

 

Die  Habilitation mit Verleihung der Venia legendi für das Fach Augenheilkunde erfolgte im Jahr 1977, bereits 1980 wurde er zum Professor ernannt. Drei Jahre später erfolgte seine Ernennung zum Direktor der Städtischen Augenklinik Ludwigshafen. Von 1986 an war er Nachfolger von Professor Dr.  Hans-Joachim Küchle als Direktor der Universitäts Augenklinik Münster. 

Seine Auszeichnungen

Zahlreiche Auszeichnungen und Ehrenämter repräsentieren seinen Rang in der deutschen Augenheilkunde: 20 Jahre war er  wissenschaftliches Mitglied im Vorstand des Berufsverbandes der Augenärzte Deutschlands. Wegen seiner hohen Verdienste wurde ihm 2008 die Ehrenmitgliedschaft verliehen. In schwierigen Zeiten vermittelte er zwischen den Hochschulen und dem den Interessen des Berufsverbandes und war stets eine Klammer zwischen beiden Strukturen, wodurch er sich hohe berufspolitische Verdienste erwarb. Er diente als langjähriges Vorstandsmitglied in der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft und war deren Präsident im Amtsjahr 1998/1999.  Im Jahr 2001/2002 war er Präsident der  European Society of Ophthalmic Plastic and Reconstruktive Surgery (ESOPRS), er gestaltete im September 2002 sehr erfolgreich deren 20. Tagung in Münster. Er hat mehrere Bücher und  Buchbeiträge zu verschiedenen Themen der Augenheilkunde verfasst, darüber hinaus über 220 wissenschaftliche Publikationen und unzählige Vorträge und Referate gehalten. Auch literarische Kolibris waren darunter, wie das 1999 erschienene Buch “Bärentatzen und andere Ophthalmologische Besonderheiten“. Seinem Naturell entsprechend, befasste er sich darin mit künstlerischen Aspekten unseres schönen Faches.

Geehrt wurde Holger Busse unter anderem mit dem Orden als Independent Order First Class des Königreichs Jordanien, als Ehrenmitglied der Ungarischen Ophthalmologischen Gesellschaft, mit der Medaille d`Or Paul Chibret.

Seine Persönlichkeit

Holger Busse war stets einfallsreich, schlagfertig und künstlerisch innovativ begabt. Sein besonderes Hobby war die Musik. Es konnte passieren, dass man als Weihnachtsgruß eine von ihm selbst produzierte CD erhielt mit eigenen, selbst verfassten und auch vertonten Liedern.  Der Präzision der Gedanken folgte die Präzision der Sprache. Er hatte ein begnadetes Gedächtnis und vermochte in  druckreifer Rede differenzierte, schöne wie schlichte Satzgebilde in einem unverwechselbaren  Sprachstil mit hoher Dichte zu vermitteln. Die aphoristische Erzählweise war ihm in die Wiege gelegt.

 

Das Altern ist ihm nicht leicht gefallen; er litt unter der Unwiederbringlichkeit einer vergangenen Zeit. Wenn die Tennis- und Golfbälle ihre Präzision verloren, so hat ihn dies  nachhaltig betrübt.

 

Ohne Zweifel hat  sich Holger Busse hohe Verdienste um die deutsche Augenheilkunde, insbesondere als Mentor der Münsteraner oculoplastischen Schule und um die plastisch ästhetische und Tränenwegschirugie erworben. Er hatte der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft weltweit Ansehen verschafft.  Dafür und für seine stete Freundschaft schulden wir ihm hohe Anerkennung und bleibende Dankbarkeit. Unser tiefes Mitgefühl gilt seiner Familie.

 

Prof. Dr. em. Gisbert Richard
Brabandstraße 52
22297 Hamburg

 

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H. J. Küchle | Die Augenklinik der deutschsprachigen Hochschulen und ihre Lehrstuhlinhaber

 

R. Grewe | Univ.- Professor Dr. Holger Busse emeritiert