Mit allen Sinnen genießen

Wer sich mit Meditation, Yoga und Kutscherhaltung schwer tut, kann dennoch etwas zur eigenen geistigen und körperlichen Entspannung beitragen – durch ein kurzes, aber bewusstes Einsetzen aller Sinne.

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Egal, ob bei Schulstress, Überforderungsgefühlen am Arbeitsplatz oder mancher durch Unruhe begünstigten Erkrankung, selbst eine nur kurze innere Sammlung trägt zu einem besseren Wohlbefinden bei. Dennoch fällt es vielen gar nicht leicht, durch Entspannungsübungen ruhiger zu werden. Dieses Gefühl, dadurch Ruhe entwickeln zu „müssen“ und das nicht zu schaffen, kann die Anspannung sogar verstärken. Hier kann ein einfaches Innehalten mit einem Ansprechen aller Sinne hilfreich sein. Wie gehen Sie vor?

Reservieren Sie sich fünf Minuten, in denen Sie ungestört sind: Handy auf lautlos stellen, Türe und Fenster zu machen, Hintergrundgeräusche soweit möglich ausblenden. Um das Belohnungszentrum im Gehirn anzusprechen, brauchen Sie etwas Essbares, etwas Kleines, das Sie sich nur selten „gönnen“. Es sollte an der Grenze des Erlaubten sein und gerade dadurch für Sie eine Belohnung darstellen – vielleicht ist es ein mundgroßes Stückchen vom Lieblingskäse, eine Rosine, ein zuckerfreies Gummibärchen oder ein Schokoladentrüffel. 


Legen Sie als Erstes Ihr ganz persönliches Lieblings-Leckerli auf Ihre Handfläche. Riechen Sie ein wenig daran. Spüren Sie, wie sich in Ihrer Vorfreude im Mund bereits Speichel sammelt.

Schauen Sie es sich nun genau an: Welche Farbe hat es? Ist die überall gleich? Wie sieht die Oberfläche aus? Ist sie glatt, porös, strukturiert? Wo wirft das Licht Schatten? Drehen Sie die Hand leicht. Hat sich etwas verändert? Freuen Sie sich über das, was Sie wahrnehmen können.

Nehmen Sie nun die andere Hand dazu. Betasten Sie dieses wunderbare Ding, das da auf Ihrer Hand liegt. Drehen Sie es herum, rollen Sie es, drücken es leicht. Schmilzt da vielleicht Schokolade, klebt da etwas Fett vom Käse? Wie fühlt es sich an? Nehmen Sie das ganz genau wahr, Sie haben keine Eile.

Erst, wenn Sie entscheiden, dass Sie fertig sind, halten Sie Ihre Hand näher ans Ohr. Hören Sie etwas? Was entsteht für ein Geräusch, wenn Sie es zwischen den Fingerspitzen zusammendrücken? Ist da überhaupt ein eigenes Geräusch oder hören Sie ausschließlich Ihre Finger, die sich bewegen? Es gibt kein „richtig“ und kein „falsch“ – nur Ihre eigene Wahrnehmung.

Nachdem es sich nun bereits eine Weile in Ihrer Hand befindet, dürfte es durch die Körperwärme mehr Geruch entwickelt haben. Riechen Sie noch einmal daran. Was hat sich verändert? Genießen Sie die Freude, dass Sie diesen wunderbaren Leckerbissen gleich probieren dürfen. Ob es wohl so schmeckt, wie der Geruch verspricht?

Jetzt ist es so weit: Schließen Sie die Augen und beißen erst ein ganz kleines Stückchen ab. Wie fühlt sich das auf den Lippen an, an den Zähnen, auf der Zunge? Beobachten Sie, was da im Mund passiert. Müssen Sie kauen, es knacken, es schmelzen lassen? Lassen Sie es langsam kleiner werden. Wie fühlt sich das Schlucken an?

Und nun stecken Sie den Rest in den Mund. Vielleicht taucht ein Gefühl der Dankbarkeit auf, dass Sie das nun genießen dürfen. „Aaaah!“ Wie das schmeckt! Sie sind alleine – also seufzen Sie, schmatzen Sie. Wenn Sie wollen, grunzen Sie voller Wohlgefühl. Und retten Sie dieses wunderschöne Gefühl in den aufregenden Tag, in den Sie sich nun zurück begeben.