Kamille: Die beinah überall Heilsame

Auf die Wirkung der Echten Kamille (Matricaria chamomilla) wird zur Linderung der verschiedensten Beschwerden vom Hautleiden bis zur Verdauungsstörung zurückgegriffen. An den Augen aber sollte sie keinesfalls angewendet werden.

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Die Echte Kamille stammt ursprünglich aus Süd- und Osteuropa sowie aus Westasien. Heute ist sie in ganz Europa, Nordamerika und sogar Australien verbreitet. Sie bevorzugt karge Standort, wächst auf Äckern, an Wegrändern, an Böschungen und in Getreidefeldern. Die einjährige, krautige Pflanze ist ein Korbblütler und wird bis zu 50 Zentimeter hoch. Ihre Blüten sind weiß und erinnern an die des Gänseblümchens. Sie hat einige größer wachsende Verwandte wie die Hundskamille, die ihr sehr ähnlich sind. Erkennen kann man die echt Kamille besonders an ihrem sehr kräftigen, aromatischen Duft. Sie blüht von Mai bis in den Juni.

Die Germanen weihten die Kamille dem Lichtgott Baldur und auch die alten Ägypter brachten die Pflanze ihrem Sonnengott Ra dar. Mit ein wenig Fantasie kann man in den zarten Pflänzchen die Sonne erkennen. Doch nicht nur ihrer äußeren Erscheinung wegen war sie bekannt und verehrt, sondern auch wegen ihrer positiven Wirkung auf die Gesundheit.

Multitalent, aber kein Allheilmittel

Die Kamille enthält entzündungshemmende, krampflösende, blähungslindernde und keimreduzierende Wirkstoffe, was ihre Einsatzmöglichkeiten besonders vielfältig macht. Als Spülung oder Gurgellösung hilft Kamille

bei Zahnfleischentzündungen und gereiztem Hals. Plagen Husten und Schnupfen, kann inhalieren mit Kamille hilfreich sein. Beschwerden, die von Hämorriden oder Infektionen im Anal- und Genitalbereich herrühren, können im Kamillebad gemildert werden. Ebenso gibt es zahlreiche Salben und Cremes, die ihre Wirkstoffe enthalten.

Bei bakteriellen Hautproblemen wie Akne kann sie ebenso helfen. Am bekanntesten ist aber wohl ihre lindernde Wirkung als Tee bei Beschwerden des Magen-Darm-Bereichs, bei Völlegefühl und Blähungen. In Smoothie-Form soll die Wirkung sogar die des Kamillentees übertreffen. Beruhigend soll die Pflanze auch auf die Seele wirken. Kanadische Untersuchungen zeigten eine positiven Effekt bei Angststörungen. Grund hierfür soll das Flavonoid Apigenin sein, das auf die Rezeptoren im Gehirn ähnlich wirke wie Valium oder Xanax. Im Gegensatz zu diesen Medikamenten soll Kamille nicht abhängig machen und keine gefährlichen Nebenwirkungen haben.

So vielseitig die Pflanze ist, ein Allheilmittel ist sie nicht und es gibt einen Bereich, in dem sie keinesfalls angewendet werden sollte: Entgegen der volkstümlichen Meinung warnen Experten ausdrücklich davor, die Augen mit Kamille oder anderen Heilkräutern in Kontakt zu bringen. Dies könnte die Reizung noch verschlimmern. Auch besteht die Gefahr, hierdurch eine Allergie zu entwickeln (Allergisierung). Insbesondere in Eigenregie kann die Anwendung von Hausmittelchen am Auge zu Schäden führen. Sind die Augen gereizt, jucken und brennen sie, sollte man allerdings zu einem Augenarzt gehen, statt die Behandlung selbst in die Hand zu nehmen.