Prof. Dr. Alexander Schuster

Kurzfassung

Das Glaukom ist eine langsam voranschreitende Erkrankung des Sehnervs. Kennzeichnend sind der Verlust von retinalen Ganglienzellen und deren Fortsätzen (Axone). Die Folge sind blinde Flecken im Gesichtsfeld des Auges, zunächst am Rand, erst sehr spät ist auch das zentrale Sehen betroffen. Die häufigste Krankheitsform ist das Offenwinkelglaukom. Erst in fortgeschrittenem Stadium dieser Erkrankung bemerken die Patienten selbst Symptome.
Die Früherkennungsuntersuchung ist die einzige Möglichkeit, die Erkrankung rechtzeitig zu entdecken, noch ehe es zu gravierenden Schäden gekommen ist. Nur wenn die Diagnose rechtzeitig gestellt wird, kann das weitere Fortschreiten des Glaukoms aufgehalten oder verzögert werden.
Mit einer neuen Leitlinie bewerten die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG) und der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) nun die Risikofaktoren für das Auftreten des Offenwinkelglaukoms. Sie geben Empfehlungen, welchen Patienten die Früherkennungsuntersuchung angeboten und in welchen Abständen die Untersuchung wiederholt werden soll. Die neue Leitlinie wird auf der Internetseite der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) veröffentlicht. Grundlagen sind eine systematische Recherche, die Auswahl und die Bewertung der wissenschaftlichen Belege zu den Risikofaktoren des Offenwinkelglaukoms. Sie schafft Klarheit und bietet Ärzten und Patienten Orientierungsmöglichkeiten.
Der wichtigste Risikofaktor für das Auftreten eines Offenwinkelglaukoms ist das Alter: Im Vergleich zu 40- bis 49-jährigen Menschen erkranken Menschen über 70 Jahren vierfach häufiger. Personen, deren Eltern an einem Glaukom leiden, haben ein zweifach erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken. Ein weiterer Risikofaktor ist der Augeninnendruck: Beträgt er 24mmHg oder mehr, dann liegt die Wahrscheinlichkeit, in den nächsten fünf Jahren an einem Glaukom zu erkranken, bei 9,5 Prozent. Schließlich ist das Risiko bei einer Kurzsichtigkeit von -4 Dioptrien oder mehr erhöht, ebenso, wenn eine Pseudoexfoliatio lentis vorliegt – das sind Ablagerungen auf der Linse und im Kammerwinkel des Auges.
Die Leitlinie empfiehlt, dass die Glaukomfrüherkennung allen Personen ab dem 40. Lebensjahr angeboten werden soll. Die Untersuchung sollte alle fünf Jahre wiederholt werden, ab dem Alter von 60 Jahren alle zwei bis drei Jahre. Wenn ein weiterer Risikofaktor vorliegt, dann soll bei einem negativen Untersuchungsergebnis der Abstand zur nächsten Untersuchung auf zwei bis drei Jahre bei Menschen ab 40 Jahren und auf ein Jahr bei Menschen ab 60 Jahren verkürzt werden. Beim Vorliegen von drei oder mehr Risikofaktoren sollten schon Personen ab dem Alter von 40 Jahren jährlich untersucht werden. Liegt eine Pseudoexfoliatio lentis vor oder ein Augeninnendruck von 25mmHg oder mehr, dann sollte die Früherkennungsuntersuchung mindestens einmal pro Jahr erfolgen.