Freihandelsabkommen: Einzig möglicher Abzweig vor Brexit

Industrieverband SPECTARIS fordert pragmatischen Ansatz bei den Verhandlungen über die zukünftigen Beziehungen – siebte Verhandlungsrunde zwischen EU und Vereinigtem Königsreich beginnt heute

Der Industrieverband SPECTARIS sieht den Verhandlungsfortschritt zu den zukünftigen Beziehungen zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich als sehr kritisch an und erwartet von beiden Seiten zumindest in den wichtigsten Punkten den Willen zu schnellen Ergebnissen – insbesondere ist eine schnelle Einigung bei den Themen Zoll und Marktzugang nötig. Wenn schon kein umfassendes Abkommen erzielt werden kann, müssen die noch offenen Fragen schnell, tragfähig und rechtssicher für die Unternehmen geklärt werden. Dafür muss dringend auch die heute beginnende siebte Verhandlungsrunde zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich genutzt werden.

Die britische Regierung hat die Frist für die Verlängerung des Übergangszeitraums verstreichen lassen und scheidet damit ab dem 1.1.2021 aus dem Binnenmarkt und der Zollunion aus. In den verbleibenden gut vier Monaten muss nun ein Freihandelsabkommen ausgehandelt werden. „Besser ein abgespecktes Freihandelsabkommen, das strittige Punkte auf separate Abkommen auslagert, als ein harter Brexit zum Jahresende. Deshalb müssen wir nun schnell vorankommen und pragmatisch sein“, betont SPECTARIS-Geschäftsführer Jörg Mayer.

Das Vereinigte Königreich rangiert unter den Top 6 der wichtigsten Exportländer für die SPECTARIS-Branchen. 2019 summierten sich die Exporte ins Vereinigte Königreich auf ungefähr vier Milliarden Euro. 2019 konnten die SPECTARIS-Branchen starke Einbrüche bei den Ausfuhren ins Vereinigte Königreich abfedern. Nicht zuletzt wegen Vorzieheffekten wurde ein Plus von rund sieben Prozent erzielt. Ohne Freihandelsabkommen können Umsatzeinbrüche in einigen Bran-chen nicht ausgeschlossen werden.

„Für die SPECTARIS-Mitglieder geht es ums Ganze. Unsere Mitgliedsunternehmen unterhalten langjährige Beziehungen mit dem Vereinigten Königreich und arbeiten eng in gemeinsamen Projekten zusammen. Kein Abkommen nach Ende der Übergangszeit bedeutet die Einführung von Zöllen, unterschiedliche Standards und Marktzugangsbedingungen sowie ein Ende der gemeinsamen Zusammenarbeit in EU-Programmen. Ein herber Verlust für beide Seiten,“ so Mayer weiter.

Das aktuelle SPECTARIS-Positionspapier „Künftige Partnerschaft zwischen der Europäischen Union und dem Vereinig-ten Königreich – Anforderungen der SPECTARIS-Branchen“ wurde basierend auf den Angaben der SPECTARIS-Mitglieder erstellt und erläutert die zentralen Forderungen seitens der SPECTARIS-Branchen für die laufenden Verhand-lungen. Dabei stehen vor allem die Forderungen zu den Themen Zoll und Marktzugang im Mittelpunkt.

Zum Positionspapier gelangen Sie hier