Der Augenoptik geht es wirklich gut

Brillen werden immer teurer. Während der Verbraucherpreisindex von 2016 bis heute um ca 5 % stieg, verbesserte sich der der Brillen um 7 %. Die Augenoptik ist also ein gutes Geschäft, das sein kontinuierliches Wachstum der Demographie zu verdanken hat. Man schwimmt sozusagen auf einem steigenden Pegel mit nach oben. Das ist ökonomisch nicht sportlich, aber komfortabel. Denn betrachtet man die Gleitsichtglas-Altersgruppe ab 48, so wuchs diese im gleichen Zeitraum um 500.000 und somit die verkauften Brillen um 300.000. Für ein paar Jahre stagniert nun das Wachstum der Gruppe der Gleitsichtglasträger. Aber das wird dem weiteren Erfolg der Branche wohl keinen Abbruch tun. Zwar wird die Coronakatastrophe die Zahlen zunächst drücken – aber es ist davon auszugehen, dass die Brillenkäufe nachgeholt werden, weil der Durchschnittsmensch sich eh nur alle paar Jahre eine neue gönnt.

Deshalb ist der Brillenträger auch hier nicht besonders Internet-affin. Hatte die Branche vor Jahren blanke Angst vor diesem, scheinbar alles fressenden Gespenst, so verweisen die tatsächlichen Zahlen auf Entwarnung. Es bleibt wie es war: Der größte Feind des traditionellen Fachgeschäfts ist nicht der online-Optiker, sondern wie eh und je die stärker werdende Gilde der Filialisten. Die online-Anbieter hadern mit dem klassischen Produkt, seiner Vermessung und Anpassung. Sie warten auf eine technologische Sprunginnovation, die bestimmt auch irgendwann kommen wird. Vermessung, Anpassung alles digital und via Handy oder PC. Aber das dauert noch, weil die Glasindustrie keine wirklich neuen Produkte liefert, die das Prozedere beschleunigen bzw. vereinfachen. Das Design eines Gleitsichtglases ist mittlerweile technologisch alt und hat seine naturgegebenen differentialgeometrischen Grenzen. So lange man mit dem unkonfortabel engen Sehkanal bei den Gleitsichtbrillen leben muss – und das Anpassen und Ausmessen hier Millimeter genau sein muß –,  so lange steht die hungrige Internet-Optik an mit kleinen Portionen auf ihrem Teller. Und vorhersagen kann man: Wenn es dann mal soweit ist, dann sind auch die potenten Filialisten entsprechend aufgestellt.

Ach ja, zu sagen bleibt noch, dass sich in der lieblosen Ehe zwischen Augenoptikern und Kontaktlinsen immer noch nichts tut. Die kleinen Dinger machen wie eh und je nur knapp 7 % des Fachgeschäftumsatzes aus. Geld wird weiterhin mit der Brille verdient: 87 %. Das liegt aber nicht nur an den Augenoptikern, sondern auch an der Support-Technologie dieser kleinen Linsen. Immer mit dem Finger ins Auge – unabhängig der Gefahr in Zeiten von Corona – ist nicht wirklich spannend. Auch hier wartet mancher auf eine Innovation. Natürlich sind die hauchdünnen Scheibchen immer besser, immer komfortabler geworden. Aber am von vielen vermuteten Grundübel des Einsetzens und Herausnehmens hat man bisher nicht arbeiten können oder wollen. 

Der ZVA hat jedenfalls seine Zahlen in einem jüngst erschienenen Branchenbericht dezidiert und übersichtlich veröffentlicht, und die/der interessierte Leser/in kann sich die Zahlen und Zusammenhänge hier herunterladen.

BRANCHENBERICHT