Augenmedizinische Zentren gut aufgestellt in #Pandemie

Größere ambulante Einheiten und nicht nur Krankenhäuser haben bewiesen: Sie meistern die Herausforderungen der Pandemie. Nur fällt der erhebliche Versorgungsbeitrag zum Beispiel von Zentren, die verbandlich im OcuNet Verbund zusammengeschlossen sind, weniger auf. Sie haben aber trotz Corona augenärztliche Notfälle und Patienten mit chronischen Augenerkrankungen versorgt. Wie es ein großes ambulantes Team geschafft hat, in der Krise eine kontinuierliche und sichere Versorgung aufrechtzuerhalten, schildert beispielhaft das Augenzentrum am St. Franziskus-Hospital Münster in einem Fachbeitrag*.

In Corona-Zeiten zum Augenarzt? Aufschiebbar, glauben viele. Dr. med. Jörg Koch, Leitender Arzt des Augenzentrums am St. Franziskus-Hospital Münster, widerspricht:

„Augenärztinnen und Augenärzte müssen auch in Corona-Zeiten für ihre Patientinnen und Patienten da sein. Eine plötzliche Netzhautablösung, Glaukomanfälle oder schwerste Entzündungen müssen wir zeitnah versorgen, eine Verschlechterung einer feuchten Makuladegeneration dürfen wir nicht riskieren.“ Koch, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender des OcuNet Verbunds, ergänzt, wie wichtig die Weiterversorgung zudem für überweisende Kolleginnen und Kollegen ist: „Sie schicken bewusst Patienten mit komplexeren Augenproblemen zu uns. Nicht nur die Patienten, auch die Kollegen verlassen sich auf uns.“

Ein einzelner Patient ist infiziert – und alle Abläufe kommen auf den Prüfstand

Praxisräume und Operationssäle des vertragsärztlichen Augenzentrums in Münster sind direkt auf dem Krankenhausgelände angesiedelt. Dort sind insgesamt 15 spezialisierte Augenärztinnen und Augenärzte, 18 Assistentinnen und Assistenten in Weiterbildung und 74 nicht-ärztliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig. In der Klinik hält das Augenzentrum Belegbetten vor, so dass es als Intersektorales Facharztzentrum (IFZ) über die Bandbreite des Fachs an einem Ort versorgen kann. Welche Herausforderungen zu bewältigen waren, um erfolgreich aus der Corona-Krise in die Corona-Normalität zu kommen, hat das Augenzentrum nun praxisnah beschrieben. Denn nach der Operation eines Patienten, der unwissentlich mit Covid-19 infiziert war, mussten alle Abläufe noch vor dem Lockdown sofort auf den Prüfstand gestellt werden.

Das Ergebnis: Striktes Hygienekonzept für Mitarbeiter und Patienten, Konzentration auf Notfälle sowie unaufschiebbare Untersuchungen und Therapien, eine Covid-Warteliste für Operationen. Tägliche Videokonferenzen des Teams, Homeoffice wo möglich, rotierende Teams mit konstanter Besetzung in der Präsenzversorgung. Das Fazit: Die zusätzliche Digitalisierung im Schnelldurchlauf ist ein Erfolg, die neuen Prozesse funktionieren, die strengen Hygieneregeln sitzen. Viele ausgefallene Termine wurden zeitnah nachgeholt. Auch Testlogistik und Abstimmung mit dem Gesundheitsamt vor Ort sind mittlerweile Teil der Arbeitsroutine.

Versorgung trotz Quarantäne: Zentren mit mehreren Standorten sind flexibel

Weil im St. Franziskus-Hospital Betten für Covid-Patienten freigehalten werden mussten, wurden die Kapazitäten bei den Belegbetten des Augenzentrums drastisch reduziert.

„Aber die jahrelange gute Abstimmung mit dem Hospital hat sich bewährt“, betont Koch. „Wir haben miteinander ausgelotet, wie wir diese und andere Herausforderungen bewältigen.“ 

Vor ähnlichen Anforderungen standen sämtliche großen augenmedizinischen Zentren, die verbandlich bei OcuNet zusammengeschlossen sind. Sie alle fanden Lösungen. Vor allem quarantänebedingte Zentrumsschließungen hätten erhebliche Nachteile für die augenärztliche Patientenversorgung bedeuten können. Das war in Münster nicht der Fall. Für viele andere Zentren gilt: Weil sie dank ihrer Größe über mehrere Standorte verfügen, konnten Termine umgeplant und Patienten umgelotst werden.

„Flexibilität, gute Arbeitsorganisation und gezielte Aufgabenverteilung haben in allen Zentren geholfen, die Krise zu meistern, ganz egal, wie verschieden sie organisiert sind“, so Dr. rer. medic. Ursula Hahn, Geschäftsführerin von OcuNet. „Es wäre erfreulich, wenn man diese Stärken der Zentren auch nach der Pandemie mitdenken und nutzen würde, zum Beispiel bei der Gestaltung einer sektorenübergreifenden Versorgung der Zukunft.“