Vom 11. bis 14. März 2026 fand im Congress Center Düsseldorf die 26. Augenärztliche Akademie Deutschland (AAD) statt — Deutschlands größter Fortbildungskongress für Augenheilkunde. Veranstaltet vom Berufsverband der Augenärzte (BVA) und der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG) bot der Kongress vier Tage lang ein dichtes Programm aus Keynote Lectures, Wetlabs, Kursen und einer umfangreichen Industrieausstellung.
Die zentralen Themen der AAD 2026
Abnehmspritzen und Auge — ein neues Risikothema
Eines der meistdiskutierten Themen war der Zusammenhang zwischen GLP-1-Rezeptoragonisten wie Ozempic und Wegovy und ophthalmologischen Nebenwirkungen. In seiner Keynote Lecture beleuchtete Prof. Stefan Kopf die aktuellen Erkenntnisse zu Schäden am Sehnerv unter diesen Medikamenten. Angesichts der rasant steigenden Verschreibungszahlen ein Thema, das die Augenheilkunde zunehmend beschäftigen wird.
Meibomdrüsen-Dysfunktion: Unterschätzt und unterbehandelt
Prof. Elisabeth M. Messmer eröffnete den Kongress mit einem Fokus auf die Diagnose und Therapie der Meibomdrüsen-Dysfunktion (MGD). Die Erkrankung gilt als eine der häufigsten Ursachen des Trockenen Auges, wird im klinischen Alltag jedoch oft übersehen. Neue Therapieansätze, darunter thermische Behandlungen und gezielte Lidreinigung, wurden vorgestellt.
Glaukom: Neue chirurgische Optionen
Das Glaukom zog sich als roter Faden durch das gesamte Programm. Besonders die Session zur chirurgischen Therapiewahl bot Orientierung: Wann ist eine minimal-invasive Glaukomchirurgie (MIGS) sinnvoll? Wann eine konventionelle Trabekulektomie? Ergänzt wurde das Programm durch praktische Wetlabs für Einsteiger und Fortgeschrittene.
Die Keynote von Prof. Ulrich Schiefer zu einer der sensibelsten Fragen im Praxisalltag — wann ein Glaukompatient nicht mehr Auto fahren darf — stieß auf großes Interesse.
Retina: Vom Gefäßverschluss bis zur trockenen AMD
Die Netzhaut-Sessions deckten das gesamte Spektrum retinaler Erkrankungen ab. Ein Minisymposium widmete sich der Diagnostik und Therapie retinaler Gefäßverschlüsse. Besondere Aufmerksamkeit erhielt der Kurs zur trockenen AMD — einer Erkrankung, die lange als therapeutisch kaum zugänglich galt, für die aber zunehmend Behandlungsoptionen entstehen.
Die intravitreale Medikamenteneingabe (IVOM) stand erneut im Fokus, mit einem strukturierten Qualifikationskurs nach den Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses.
KI-Diagnostik: Vom Forschungsfeld zur klinischen Anwendung
Künstliche Intelligenz in der Augenheilkunde war ein weiterer Schwerpunkt. Vorgestellt wurden unter anderem KI-gestützte Systeme zur Beurteilung der retinalen Nervenfaserschicht anhand von Fundusaufnahmen — eine Unterstützung für die Glaukom-Nachverfolgung auch dort, wo keine OCT-Untersuchung verfügbar ist.
Lesestörungen: Neue evidenzbasierte Trainingsmethoden
Prof. Trauzettel-Klosinski zeigte in ihrer Keynote innovative Rehabilitationsansätze für Patienten mit Lesestörungen — ein Thema, das die Lebensqualität gerade älterer Patienten unmittelbar betrifft.
Berufspolitische Akzente
Krankenhausreform: Eigene Leistungsgruppe für die Augenheilkunde
DOG-Generalsekretär Prof. Claus Cursiefen zog ein positives Fazit zur Krankenhausreform: Die Augenheilkunde hat eine eigene Leistungsgruppe erhalten — verbunden mit klaren Qualitätskriterien. Gleichzeitig mahnte er, dass die verbliebenen stationären Kompetenzzentren in der bereits weitgehend ambulantisierten Augenheilkunde erhalten bleiben müssen.
Niederlassungstrack: Praxisgründung kompakt
Erstmals bot die AAD einen strukturierten Niederlassungstrack für niederlassungswillige Ärztinnen und Ärzte an. Fünf aufeinander aufbauende Kurse behandelten alle Aspekte der eigenen Praxisgründung — von der Finanzierung bis zur Kassenarztzulassung.
Warnung vor kommerziellen Augenscreenings
BVA-Vorsitzender Daniel Pleger warnte vor der zunehmenden Zahl kommerzieller Anbieter, die Augenscreenings außerhalb des Gesundheitssystems durchführen. Falsch-auffällige Befunde verunsicherten Patienten, die dann doch augenärztliche Praxen aufsuchen müssten. Noch gravierender: Falsch-unauffällige Befunde wiegten Patienten in trügerischer Sicherheit.
Praxis und Vernetzung
Rund 30 Prozent des Kursprogramms bestanden aus völlig neuen Angeboten. Die zahlreichen Wetlabs — von Phakoemulsifikation über Vitrektomie bis zur Traumatologie — boten praktische Fortbildung auf hohem Niveau. Die begleitende Industrieausstellung zeigte aktuelle Diagnostikgeräte, Implantate und digitale Lösungen.
Und auch für ein ungewöhnliches Teambuilding sorgten BVA und DOG: Nach dem Erfolg von „Auge goes Wacken” im Vorjahr wird die Aufklärungsaktion auf dem Heavy-Metal-Festival auch 2026 fortgesetzt. Ergänzt wird sie durch die Kampagne #SpendeamEnde, die für die Hornhautspende nach dem Tod wirbt.
Fazit
Die AAD 2026 bestätigt: Die Augenheilkunde steht vor einem Umbruch. Neue Medikamente bringen neue Risiken, KI verändert die Diagnostik, und berufspolitisch wird um die Zukunft der Versorgungsstrukturen gerungen. Der Kongress in Düsseldorf bot den Rahmen, diese Entwicklungen einzuordnen — fundiert, praxisnah und mit Blick nach vorn.