Prof. Dr. Philip Maier

Kurzfassung

Allergische Augenerkrankungen sind sehr häufig, in den allermeisten Fällen jedoch gut behandelbar. Vor allem die allergische Rhinokonjunktivitis – landläufig als Heuschnupfen bezeichnet – macht vielen Menschen zu schaffen: Die Augen jucken, brennen und tränen, die Bindehaut ist rot und geschwollen. Je nachdem, welches Allergen die Allergie auslöst, tritt sie saisonal oder ganzjährig auf. 
Schätzungen zufolge leiden bis zu 50 Prozent der europäischen Bevölkerung an einer allergischen Konjunktivitis: Das Immunsystem wehrt sich heftig gegen fremde, eigentlich ungefährliche Stoffe. In rund 90 Prozent der Fälle liegt eine saisonale Allergie vor. Bei der allergischen Rhinokonjunktivitis reagieren die Schleimhäute in Nase und Bindehaut mit einer Histaminausschüttung. Die Schleimhäute schwellen an, jucken und brennen, es kommt zu einem vermehrten Tränenfluss. Die Bindehaut wird rot und auch die Lider schwellen an.
Nicht nur Pflanzenpollen können allergische Reaktionen in der Bindehaut hervorrufen, sondern auch Schimmelsporen, Hausstaubmilben oder Tierschuppen. Neben den akuten Erkrankungen gibt es auch chronische Verlaufsformen wie die atopische Keratokonjunktivitis bei Menschen mit Neurodermitis. Dabei kann die Hornhaut in Mitleidenschaft gezogen werden. Dauerhafte Einschränkungen des Sehvermögens sind möglich.
In der Augenarztpraxis spielt neben der eingehenden Untersuchung der Augen auch die Suche nach dem Auslöser eine wesentliche Rolle. Deshalb gilt es, genau zu beschreiben, wann und unter welchen Bedingungen die Probleme auftraten, ob Allergien bekannt sind und ob es bei Verwandten Allergien gibt. Bei der Augenuntersuchung wird zudem genau geprüft, ob die Bindehautentzündung wirklich auf eine Allergie zurückgeht, denn auch eine Infektion mit Bakterien oder Viren kann zu einem roten Auge führen. Wenn feststeht, dass eine Allergie der Grund für die Beschwerden ist, muss unterschieden werden, ob eine akute oder eine chronische Form vorliegt.
Bei einer akuten Erkrankung gilt es, die Beschwerden rasch zu lindern, den Entzündungsprozess zu kontrollieren und langfristig vorbeugend tätig zu werden. Die Behandlung chronischer Formen wie der atopischen Keratokonjunktivitis ist dagegen eine interdisziplinäre Herausforderung. Etwa zwei Prozent der Bevölkerung sind von einer atopischen Dermatitis (oft auch Neurodermitis genannt) betroffen. 25 bis 43 Prozent der Betroffenen weisen eine Beteiligung der Augen auf. Entzündungen der die Augen umgebenden Haut, der Lider und Lidränder können zu Fehlstellungen führen, die die Hornhaut schädigen. Zudem besteht ein erhöhtes Risiko für Infektionen insbesondere mit Herpesviren. Hier gilt es, individuell zugeschnittene Therapieschemata zu entwickeln. Eine konsequente Lidrandpflege kann helfen, Entzündungen und Vernarbungen der Lider zu vermeiden. Antientzündliche Medikamente, die sowohl lokal als auch systemisch eingesetzt werden, können sinnvoll sein. Jedoch fehlt es an zugelassenen Medikamenten, sodass Augenärzte ihre Patienten häufig über „Off label“-Therapien aufklären müssen. In schweren Fällen sind auch chirurgische Eingriffe bis hin zur Hornhauttransplantation notwendig, um das Augenlicht der Patienten zu erhalten.