10 Jahre Blickpunkt Auge

Vor zehn Jahren hieß es: „Jetzt kann der Beratungsdienst Auge seine Arbeit aufnehmen.“ Kurze Zeit später war das auf fünf Jahre angelegte Projekt unter dem Namen „Blickpunkt Auge“ (BPA) unterwegs. Der Auftrag war, Menschen mit einer chronischen Augenkrankheit und deren Angehörige nach der Diagnose aufzufangen, zu informieren und zu beraten – die logische Folge der Öffnung des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbandes e. V. (DBSV) hin zu einer Patientenorganisation. 

Kern des Angebotes ist die qualitätsgesicherte Beratung zu Hilfsmitteln, rechtlichen oder finanziellen Fragen und vielen weiteren Themen rund ums Sehen. Ergänzend werden Informationsveranstaltungen und Gruppentreffen (vor allem mit Bezug zur Erkrankung) angeboten. 

Rückblick

Das von der Aktion Mensch und der Bert Mettmann Stiftung geförderte Projekt startete am 01.06.2010 mit einer Vorbereitungsphase. Schwerpunkte waren die Ist-Analyse in den DBSV-Landesorganisationen, die Konzept- und Markenentwicklung sowie die Gründung des interdisziplinären Expertenkreises am 20.01.2011.
Das erste BPA-Regionentreffen am 13.04.2011 bildete den Auftakt des bis März 2013 laufenden Modellversuchs, für den Bewerbungen aus sieben Landesorganisationen vorlagen. Modellregionen waren Hessen, Sachsen und Schleswig-Holstein, etwas später auch Sachsen-Anhalt. Baden, Niedersachsen und die damalige Fachgruppe Auge Nordrhein-Westfalen waren von Anfang an in das Projekt einbezogen.

In der Modellphase sollten Angebote für Menschen mit altersbedingten Augenerkrankungen entwickelt und erprobt werden. Die Ergebnisse sollten auf andere Regionen übertragbar sein. Deshalb waren Landesorganisationen mit sehr unterschiedlichen Ressourcen, ländliche und städtische Gebiete, mobile und stationäre Angebote dabei.
Die ersten Freiwilligen absolvierten ihre Beraterausbildung in sehr kurzer Zeit. Am 25.01.2012 fand die erste Informationsveranstaltung von BPA in Frankfurt statt. Die erste Beratungsstelle wurde am 14.02.2012 in Bautzen eröffnet. Am 18.04.2012 ging www.blickpunkt-auge.de online.

Seit April 2013 kamen immer mehr Regionen hinzu. Von 2015 bis 2018 lief das dreijährige Projekt „Wissensmanagement“ (Förderer: Aktion Mensch), dessen wichtigste Ergebnisse der interne Wissensbereich der BPA-Website und der Newsletter sind. Schon lange gibt es eine Verknüpfung von BPA und „Sehen im Alter“, besonders intensiv in Württemberg. Wiederum gefördert von der Aktion Mensch stehen seit 2018 die Weiterentwicklung des Konzeptes und die Öffnung für neue Zielgruppen auf der Tagesordnung.

Blickpunkt Auge heute

Blickpunkt Auge gibt es in 13 Bundesländern. Das Beratungsnetz wird kontinuierlich ausgebaut. Aktuell gibt es 153 Beratungsstandorte. In vier Bundesländern sind Beratungsmobile unterwegs. Die Zahl der telefonischen Beratungsangebote wächst, was gerade in Zeiten der Corona-Pandemie von großer Wichtigkeit ist, wenn persönliche Beratung gar nicht oder nur eingeschränkt möglich ist. Erfreulicherweise sind aktuell nach und nach persönliche Gespräche wieder möglich.
BPA hat sich zum Beratungsangebot für sehr unterschiedliche Ratsuchende entwickelt:

  • Menschen, die mit der Sehbehinderung oder Blindheit aufgewachsen sind
  • Menschen, die im Laufe ihres Lebens eine chronische, das Sehvermögen bedrohende Augenerkrankung erfahren
  • Menschen mit anderen Erkrankungen, die das Sehen beeinflussen (z. B. Rheuma, Multiple Sklerose, Schlaganfall, Tumorerkrankungen)
  • Angehörige
  • Organisationen, Institutionen, Behörden etc.

Qualität ist uns wichtig. Deshalb wurden in überregionalen Arbeitsgruppen (AG) Mindeststandards für die Umsetzung der Angebote erarbeitet, die Bestandteil der ebenfalls in einer überregionalen AG entstandenen Leistungsbeschreibung sind. Die Mindeststandards betreffen:

  • die Zuständigkeiten beim DBSV sowie in der regionalen Koordination und Umsetzungdie Aus- und Weiterbildung der Beratenden
  • die Ausstattung der Beratungsstellen in eigenen und fremden Räumen
  • die Netzwerkarbeit (Netzwerklisten)
  • Dokumentation, Statistik, Datenschutz
  • die Öffentlichkeitsarbeit und den gemeinsamer BPA-Auftritt
  • Der Qualitätssicherung dienen verschiedene Maßnahmen, zum Beispiel:
  • die Unterstützung der Regionen durch die BPA-Koordination beim DBSV zu allen Aspekten des Angebotes
  • die Koordination der regionalen Angebote entsprechend der gemeinsam beschlossenen Aufgabenbeschreibung
  • überregionale Arbeitsgruppen zu zentralen Themen
  • jährliche BPA-Regionentreffen mit vorgeschalteten Koordinatorentreffen zum Erfahrungsaustausch, zur Qualitätssicherung, zur Weiterbildung und zur Weiterentwicklung des Angebotes
  • die Begleitung durch Fachleute verschiedenster Disziplinen
  • die Berateraus- und Weiterbildung nach einheitlichem Konzept
  • ein CD-Handbuch, eine gemeinsame Website sowie zentral bereitgestellte Broschüren und Info-Materialien
  • der interne Bereich der BPA-Website für alle BPA-Aktiven mit BPA-Dokumenten, Terminen und dem Wissensbereich

Zahlen und Fakten

Am Ende der Modellphase gab es 10 Beratungsstandorte, in zwei Bundesländern waren mit Hilfsmitteln und Informationsmaterialien ausgestattete Beratungsmobile unterwegs.
Während der Modellphase fanden rund 1.100 Beratungsgespräche statt, 2015 waren es ca. 9.500, im Jahr 2018 schon 12.100 und 2019 rund 18.800 dokumentierte Beratungen.
Allein im Jahr 2019 wurden rund 870 Termine organisiert (regelmäßige Gruppentreffen, Eröffnungs- und Informationsveranstaltungen, Messen etc.), mit denen rund 21.600 Betroffene, Angehörige und Multiplikatoren erreicht wurden. Die BPA-Website verwies Ende 2019 auf 19 Gruppenangebote. Im gleichen Jahr erhielten 74 Beratende ihr Zertifikat, insgesamt wurden rund 360 Menschen ausgebildet und zertifiziert.