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Gen-Schere: Keine voreiligen Schlüsse ziehen

Anfang Juni 2017 wurde eine Studie des Columbia University Medical Centers veröffentlicht, in der die Autoren darauf hinwiesen, dass die Veränderung des Genoms mithilfe der Gen-Schere (CRISPRCas9) viele unbeabsichtigte Mutationen hervorrufen könnte. (Wir berichteten.) Diese Nachricht ließ die Fachwelt aufhorchen und veranlasste Forscher dazu, einen Bericht mit möglichen Erklärungen zu verfassen.

In diesem heißt es, die amerikanische Publikation sei trotz ihrer Brisanz vor der Veröffentlichung nicht von Fachkollegen begutachtet worden. Auch der kleine Studienumfang für so eine umfassende Schlussfolgerung wurde kritisiert, denn untersucht wurden nur zwei Mäuse, die mit der Gen-Schere behandelt wurden. Als die Forscher nach der Behandlung das gesamte Erbgut auf Veränderungen untersuchten, waren sie auf eine extrem hohe Zahl an Mutationen gestoßen. Der Gegenpublikation zufolge handele es sich hierbei „höchstwahrscheinlich um Varianten, die bereits zuvor existiert hatten und nicht um von CRISPR verursachte Mutationen“.

Dass das Verfahren mit der Gen-Schere zu unbeabsichtigten Mutationen führen könnte, ist eine große Gefahr, vor der auch die Erfinder dieser Methode warnten. Die veröffentlichte Studie tangiert also ein sensibles Thema – und sie hatte bereits Folgen. So sind nach der Veröffentlichung die Börsenkurse von zwei mit diesen Genverfahren arbeitenden Biotech-Unternehmen um etwa 15 Prozent gesunken, berichtet die Technology-Review-Redakteurin Inge Wünnenberg. Für die Zukunft seien bereits 2o klinische Studien mit der Gen-Schere in Vorbereitung oder gestartet.

Quelle: Artikel „Panikmache hilft niemandem“ von Inge Wünnenberg