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„Ein Feuerwerk! Unglaublich!“

Peter Böhm

Sieben Redner präsentierten im Rahmen der dritten Tübinger Innovations-Konferenz „TEDx“ am 16. Juli 2017 ihre Ideen und außergewöhnlichen Erfahrungen. TEDx ist ein Online-Forum, dessen Konzept ursprünglich aus den USA stammt. „T“ steht für Technologie, „E“ für Entertainment, „D“ für Design und „x“ für unabhängig. In jeweils 18-minütigen „Talks“ referieren Menschen zu Themen aus Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst und Kultur.

Einer der Vortragenden vom vergangenen Sonntag war Peter Böhm. Sein Bericht beeindruckte die 400 Zuschauer nachhaltig, denn bei Böhm war im Alter von sechs Jahren Retinitis pigmentosa (RP) diagnostiziert worden. Diese unheilbare erbliche Augenerkrankung führt meist zur Erblindung. Tatsächlich ist der inzwischen 50-Jährige auf einem Auge vollständig erblindet, auf dem anderen hat er ein geringes Restsehvermögen. Er berichtete von seinem bisherigen Lebensweg, der – trotz des Verlustes seines Augenlichts – von großem Optimismus geprägt ist: „Verlieren heißt, einen anderen Weg gehen zu müssen, und dahinter steht oft auch eine neue Chance.“ Nicht nur als Betroffener, sondern auch aus seinem großen technischen Interesse heraus, sagte er sofort zu, als ihm 2014 die Möglichkeit geboten wurde, an einer Studie des Reutlinger Medizintechnikunternehmens Retina Implant AG teilzunehmen. Im Rahmen der „Multicenter-Studie“, in der an verschiedenen klinischen Zentren das von Retina Implant entwickelte subretinale Netzhautimplantat RETINA IMPLANT Alpha AMS getestet wurde, ließ sich Peter Böhm den Mikrochip unter die Netzhaut seines vollständig erblindeten Auges implantieren. Seine Erfahrungen mit dem Implantat, das ihm die Unterscheidung zwischen hell und dunkel ermöglichte: „Ich konnte ein Feuerwerk mit dem Chip sehen. Es war unglaublich.“ Er habe sogar etwa zehn Zentimeter große Buchstaben identifizieren können, so Böhm. Es war für ihn „die Welt“!

Die Retina Implant AG aus Reutlingen entwickelt und vertreibt das Netzhautimplantat, das Blinden, die an RP erkrankt sind, einen Teil ihres Sehvermögens zurückgeben kann, mit dem Lichtquellen oder die Umrisse von Gebäuden oder von Gestalten erkannt werden können. Der Mikrochip ist das Ergebnis der 20-jährigen intensiven Forschungsarbeit von Prof. Dr. med.

Eberhart Zrenner vom Forschungsinstitut für Augenheilkunde an der Universität Tübingen und dem NMI Naturwissenschaftliches und Medizinisches Institut an der Universität Tübingen. Die neue Generation des Chips ist seit März 2016 CE-zertifiziert und wird in spezialisierten Implantationszentren implantiert. Die Kosten für diese Operation werden in der Regel von den Krankenkassen übernommen.

Text- &Bildquelle: Retina Implant AG